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Freitag, 24. November 2017
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Peter Stalder steht zu seinem Ferrari
von Nadine Schmid
(Foto: Nadine Schmid)



Im neusten Teil der Serie über die Autostadt Grenchen gibt der Bettlacher Peter Stalder Einblicke in seine kleine Autosammlung.


In der «Autostadt Grenchen» sind nicht weniger als 18 Ferraris eingelöst (Olten 10, Solothurn 5). Im Rahmen unserer Serie über spezielle Autos haben wir auch den einen oder anderen Grenchner Besitzer eines Supersportwagens angefragt, ob er sein Fahrzeug präsentieren wolle. Es gab aber lauter Absagen.

Einer, der auch öffentlich zu seinem Ferrari steht, ist Peter Stalder aus Bettlach. «Ein Freund und ich haben gewettet, dass wir beide mit vierzig einen Ferrari besitzen werden.» Doch gewonnen habe niemand, so Stalder.

«Wir besitzen inzwischen zwar beide einen Ferrari, doch das vierzigste Lebensjahr haben wir überschritten.» Der Ferrari war das erste Auto, das Stalder aus einer Emotion heraus erstanden hat. Was ist denn das Besondere am «Youngtimer» Ferrari F550 Maranello von 1998?

«Nun, ich möchte zunächst mal festhalten, dass man damit auch einfach von A nach B fährt. Es ist ein Sportwagen und er hat einen anderen Klang. Was man sich ebenfalls vor Augen halten muss: Bei einem Ferrari fallen sehr viele Kosten an. Er braucht mehr Benzin und ist für den Alltag deswegen nicht wirklich geeignet, dafür aber für den gelegentlichen Gebrauch. Dann ist es einfach fantastisch, damit zu fahren.»

Technik fasziniert

Der Ferrari läuft mit einem V12-Zylindermotor mit 5,5 Liter Hubraum und hat eine Leistung von 485 PS. Was Stalder damals wie auch heute vor allem fasziniert ist das Leistungsvermögen und die hochkomplexe Mechanik des Fahrzeugs.

Auch die Gewichtverteilung sei grandios. «Wenn man den Ferrari mit heutigen Fahrzeugen oder gar mit neuen Ferraris vergleicht, so sieht man, dass er daran nicht herankommt. Doch zu seiner Zeit war er ein Hit. Die neusten Ferraris sind Luxussportwagen und agiler.»

Stalder ist in Grenchen aufgewachsen, hat eine Mechanikerlehre in der Ebosa abgeschlossen und eine zweite Ausbildung als Flugzeugmechaniker angehängt. Seit 24 Jahren wohnt er in Bettlach und seit dem Kauf des Ferrari vor dreizehn Jahren sind Autos zu einer Leidenschaft geworden, der er in seiner Freizeit sehr intensiv nachgeht.

Er sammelt technisch spannende Oldtimer. Dabei nimmt er mit Ausnahme der Spenglerei und Malerei die Reparaturarbeiten selbst vor und orientiert sich am damaligen Stand der Technik. Teile, die nicht mehr hergestellt werden, produziert er selbst. Sein neustes Projekt ist die Instandsetzung eines Lancia Flavia Coupé mit Jahrgang 1965.

Dieser muss praktisch von Grund auf neu gebaut werden. «Es gibt zwei Arten der Restauration, die ich anwende: Man kann so reparieren, dass das Auto wie neu aussieht, oder so dass man die Gebrauchsspuren bemerkt.»

Ein weiteres wichtiges Kriterium beim Kauf der Fahrzeuge stellt für ihn der Werterhalt dar. «Dieser muss gegeben sein, das ist wichtig, denn solche Reparaturen sind sehr zeitaufwendig und sehr kostspielig.»

Heutzutage eher vorsichtig

Stellt man Stalder die Frage, weshalb Besitzer von teureren Wagen eher ablehnen, diese in der Öffentlichkeit zu präsentieren, denkt er an Neider und die Angst, zur eigenen Leistung zu stehen. «Man hat praktisch auf jedem Gebiet einen Gegner, einer der es einem übel nimmt, wenn man hart arbeitet und sich dafür etwas leisten kann», erklärt er.

«Deshalb werden Leistungen häufig versteckt, dies ist anders als früher. Wenn man in Zürich ein teures Auto stehen lässt, wird man es am Abend zerkratzt vorfinden, im Raum Solothurn ist dieses Phänomen zum Glück noch nicht so verbreitet.» Doch auch die Angst vor Diebstahl besteht. So lässt auch Stalder Vorsicht walten und möchte nicht, dass der die Öffentlichkeit weiss, wo seine Autos stehen.

Auch ein Ferrari hat Mängel

Um zum Ferrari F550 Maranello zurückzukommen, so hat Stalder noch eine weitere interessante Anekdote anzufügen: «Fünfzehn bis siebzehn Jahre später stellte man einen Mangel fest. Das Kunststoffmaterial, der Softlack, mit dem das Interieur beschichtet wurde, hat sich aufgelöst und ist ganz klebrig geworden.»

Man habe zwar damals Prüfungen durchgeführt, aber natürlich keine Langzeittests. Davon sei auch sein Ferrari betroffen. «Immer wenn ich dazukomme, bessere ich einen betroffenen Teil aus, dies ist sehr aufwendig.»



Autostadt Grenchen

Der Umstand, dass im letzten Jahr in Grenchen das 10 000. Auto eingelöst wurde, veranlasst uns, näher hinzuschauen. Was meinen Politiker zur «Autostadt Grenchen», fragten wir im ersten Teil unserer Sommerserie. Wir wollen einige der besonderen Fahrzeuge vorstellen, die auf Grenchens Strassen unterwegs sind. Heute beenden wir die Serie mit dem roten Ferrari F550 Maranello von Peter Stalder.

Bisher erschienen:
• Der Jaguar SS von Urs Lerch aus dem Jahr 1937.
• Der Fiat 126 von Alex Kaufmann mit Jahrgang 81.
• Der Rolls Royce Phantom von Mathias Mühlemann.
• Der Morgan «Threewheeler» von Daniel Graf.
• Der Tesla 85S von Rudolf Feller.
• Der VW 411 Variant LE von Matthias Schär.
• Der Morgan Classic Plus4 von Thomas Fluri.
• Der 50er-Jahre BMW 502 von Christoph Vogelsang.
• Der Fiat Nuova 500 von Beatrice Kaufmann.
• Der Porsche 912 Targa von Jan Swager van Dok.



Oldtimer und Youngtimer: In 13 Jahren nur 2500 Kilometer

Acht Oldtimer und ein Ferrari sind im Besitz von Peter Stalder. Darunter ein JaguarXK 120 (1953), ein Austin Healey MK2 (1962) und ein Porsche 911 Turbo (1981). Stalder besucht jährlich Oldtimertreffen.

Meistens ist es dann, wenn er mit einem seiner Autos eine Spritztour unternimmt. Die Oldtimer und auch der Ferrari erhalten etwa viermal im Jahr Auslauf. Dadurch wird eine zu starke Beanspruchung verhindert. «Mit dem Ferrari bin ich in den letzten dreizehn Jahren gesamthaft 2500 Kilometer gefahren.»

Der Lancia Flavia Coupé (1965) ist ein ziemlich seltenes Fahrzeug. Es wurden etwa 15 000 Exemplare erstellt, heute gibt es weltweit noch etwa 300 bis 400 Stück. Sein ältester Oldtimer, ein BMW 327 aus dem Jahr 1939, wurde noch vor Kriegsbeginn produziert.

«Ich habe ihn von der Firma Vogelsang gekauft, in deren Besitz der BMW einundvierzig Jahre lang war.» Davor wurde der Wagen, dessen Carrosserie durch Holz gehalten wird, von einem Zürcher Fahrlehrer für den Unterricht verwendet.

Stalder fährt auch historische Rennen: Mit dem damals legendären Rennfahrzeug DTM M3, das er von einem Deutschen Sportler gekauft hat, hat er in Schleiz teilgenommen und wird im Oktober am Nürburgring anzutreffen sein. (nsg)


(Quelle: Grenchner Tagblatt, 30.09.2016)
30.09.2016 | Burkhard Corinne
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